Selbstverständnis - selbstverständlich: AUAWIRLEBEN - der Name ist Programm!
AUAWIRLEBEN sind: Beatrix Bühler, Ursula Freiburghaus, Nicolette Kretz und Reina Gehrig.
AUAWIRLEBEN, das jährliche Berner Theatertreffen, 26 Jahre jung und kontinuierlich lebendig, versucht eine sehr konkrete Grundintention immer wieder von neuem in die Praxis umzusetzen: die theatrale Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Realität. Das Bedürfnis, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Die Suche nach einem Theater, das auf der Höhe der Zeit und ihr voraus ist, das sich ins gesellschaftliche Leben einmischt, das Fragen stellt zwischen erinnertem Gestern und projektiertem Morgen. Ein waches, sensibles Bewusstsein, eine verantwortungsbewusste Wahrnehmungsfähigkeit auszubilden für das, was in unseren Gesellschaften vor sich geht. Freisetzung von Phantasie, die sich zutraut, eine lebenswerte Zukunft zu erfinden. Mit Widerspruchsgeist gegen Belanglosigkeit und Gleichgültigkeit zu provozieren. Lebensintensität erfahren. Lebenswirklichkeit. Mehr nicht. Weniger auch nicht.
AUAWIRLEBEN holt Theaterproduktionen nach Bern, die Gegenwart repräsentieren. Waren es anfangs vorrangig aktuelle Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum, so hat auawirleben im Laufe seiner Entwicklung und entsprechend seiner Intention geografisch wie künstlerisch festschreibende Eingrenzungen durchbrochen, und schafft stattdessen eine Konzentration von thematischer Qualität. Zum Spezifikum des Berner Theatertreffens wird seine thematisch komponierte Programmierung mit aktueller künstlerischer wie gesellschaftlicher Relevanz. Keine world-wide-wintention, sondern eine intentionale, interessebewegte Verknüpfung von unterschiedlichsten theatralen Äusserungsformen. Die Grenzen zwischen off, offoff und in-stitutionalisierten Theaterformen, mehr und mehr in Bewegung geraten, werden kräftig verschoben, zwischen Theater und Wirklichkeit balancierend entstehen theatrale Experimente mit Gegenwart aus Grenzbereichen, die ins Zentrum treffen. AUAWIRLEBEN bezieht sich in seiner Programmierung auf diese Entwicklung und intensiviert unter dem Titel „Am Rande der Gesellschaft - auf der Suche nach Gesellschaft“ die Auseinandersetzung mit sozialer Realität und theatraler Praxis.
Und immer wieder und verstärkt stellt sich die Frage nach der „richtigen“ Struktur von Theaterarbeit heute, nach Produktionsformen, die einer zeitgenössischen Ästhetik produktiv entsprechen und im Spannungsverhältnis von Theaterformen und sozialer Realität beweglich bleiben. Fragen, die mit den bei AUAWIRLEBEN vorgestellten Produktionen und darüber hinaus in Rahmenveranstaltungen zur Diskussion gestellt werden.
Und immer wieder die Schweiz...
Grenzüberschreitend heisst für AUAWIRLEBEN nicht „international“ und da kommt keine Schweiz vor. La Suisse existe! Noch und gerade in der künstlerisch frech performierenden Behauptung „La Suisse n’existe pas“ wird protestierend gegen künstlerisch-gesellschaftliche Verschlafenheit und Ignoranz eine Schweiz erfrischend existent, die je länger je mehr ihr Pendant im Theatral-Experimentellen findet: eigenwillige Ansätze von Theaterarbeit, ästhetisch wie produktionsstrukturell formbewusst mutig, suisse made und schweizerische Realität reflektierend. Die MacherInnen sind vor allem auch die junge Generation heute, unkarrieristische Aufsteiger, hoffnungsvolle Querköpfe.
Ohne in einen Jugendfetischismus oder Altersrassismus zu verfallen, will AUAWIRLEBEN diese künstlerisch kräftig manifeste junge Schweiz vorstellen. Sowie überhaupt - passunabhängig - Raum geben für den Nachwuchs: jeweils eine Theaterarbeit aus dem Ausbildungsbereich wird vorgestellt.



