
Peeping Tom (Belgien)
Le Sous Sol
Die Toten stehen auf. Himmel oder Hölle? Nichts davon. Jenseits gängiger Paradies- und Hades-Phantasien lässt SOUS SOL die Figuren aus den beiden ersten Teilen der Trilogie in einer eigenartigen Unterwelt ankommen. Eine danteske Divina Commedia, aber ohne Strafe und Verdammnis, ohne Läuterung und Erlösung, erwartet die Toten. Wenn hier etwas begraben wird, dann die Illusion eines moralisch triumphierenden Ordnungsprinzips im Jenseits, die gerechte Vergeltung von allem, was wir auf Erden taten. Hier unten, sous sol, gibt es keine Angst, Schuld oder Tabus mehr, dafür einen verblüffend schwarzen Humor. Man lebt hierarchiefrei seine unvollendeten Geschichten und Differenzen, jedes Begehren und alle unerfüllten Träume weiter, brutal und zärtlich. Und vielleicht sind es ehemals Liebende, im Leben auseinander gerissen durch den frühen Tod des Geliebten, die jetzt tänzerisch innigste körperliche Zwiesprache halten zwischen Jung und Alt. Nichts ist obszön, ein fast heiteres Inferno lässt alles zu, was nicht menschenmöglich war.
Jeder Teil der Trilogie ist ein dichtes brillantes Ganzes. Im dritten Teil riskieren zwei Tänzer und eine Tänzerin, eine 80-jährige Schauspielerin und eine Mezzosopranistin einen gewagten Erinnerungsbogen zurück ins gelebte Leben. Und ganz nebenbei werden die Grenzen des theatral und tänzerisch Machbaren überwunden.
Kreation und Performance: Gabriela Carrizo, Franck Chartier, Samuel Lefeuvre, Maria Otal, Eurudike de Beul (Mezzo-Soprano) | Künstlerische Beratung: Simon Versnel | Tonkomposition: Glenn Vervliet | Dramaturgie-Assistenz: Hildegard De Vuyst | Musik-Arrangement: Juan Carlos Tolosa (Klavier und Keyboard), David Nunez (Violine und Mandonline), Jose Luis Montiel (Gitarre und Bässe), Lionel Beuvens (Trommeln), Dieter Van Handenhoven (Orgel) | Aufnahme: Yannick Willox | Technische Leitung, Licht- und Bühnendesign: Yves Leirs | Tontechnik: Sibren Hanssens
Koproduktion: KVS (Bruxelles), Charleroi/Danses, Théatre de la Ville (Paris), Trafo Budapest
Unterstützt von: Flämische Landesbehörde, Scène Nationale de Petit-Quevilly. Dank an Ultima Vez, Heloise da Costa, Pauline Simon, Anne Chartier, Nele Dirckx.
DAMPFZENTRALE Turbinensaal
SO 26.4. | 20:00
Spieldauer: 1h 10min


