Wir müssen reden

Noch nie hatten wir so viele Kanäle, um zu kommunizieren. Noch nie wurde so viel gesagt. Ob in Printmedien, in Onlinemedien und deren Kommentarspalten, auf Social-Media-Channels, im Fernsehen, in Podcasts oder an den unzähligen Live-Events, die uns täglich beglücken: überall wird gesendet, gesendet, gesendet. Da verliert man leicht den Überblick. Wo soll man denn da überhaupt noch hinhören?

Wir kommunizieren ohne Ende. Aber kommunizieren wir miteinander oder kommunizieren wir uns nicht eher einfach an? Auch wenn viele der neuen Medien auf Diskussion ausgelegt sind, sind sie doch eher Depots für hingeschleuderte Meinungen. Da macht sich kaum jemand die Mühe, etwas Gesagtes aufzunehmen und ein Gegenargument zu entwickeln. Oder wann hatten Sie das letzte richtig gute Streitgespräch? Wann haben Sie das letzte Mal wirklich zugehört? Wann haben Sie das letzte Mal etwas von einer Freundin erfahren, was Sie noch nicht wussten? Wann haben Sie das letzte Mal einen Fremden angesprochen? («Tschuldigung, darf ich mal durch» gilt nicht.)

Unsere 14 eingeladenen Produktionen haben alle viel zu sagen über das Reden. Es geht ums Erklären, ums Rappen, ums Verhandeln und Zustimmen, um Tatsachen und Gerüchte, um lautlose Kommunikation und um unkontrollierte Laute – und nicht zuletzt auch um den Moment, wo Worte nicht weiterhelfen. Dabei wird offensichtlich: Kommunikation ist auch Wissenstransfer. Wer miteinander spricht, lernt voneinander. Die Künstler*innen kommen aus England, Frankreich, Deutschland, Polen, Mexiko, Estland, Neuseeland, Belgien und der Schweiz. Sie können sich also auf ein multilinguales Festival in Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Polnisch und in Gebärdensprache freuen. Keine Angst, für Verständlichkeit ist gesorgt.

Damit Sie nicht nur passiv zuschauen müssen, können Sie sich an vier Crashkursen kommunikationsrelevantes Wissen aneignen – vom Argumentieren gegen Stammtischparolen bis zum gendergerechten Diskutieren. Und an fünf Konversationen können Sie dann so richtig aktiv werden und reden, was das Zeug hält. Dreimal tun wir das mit Künstler*innen aus dem Programm und zweimal ist der Fokus ein thematischer. Und jede Konversation hat eine eigene Form, welche sich auf das Gespräch auswirken wird.

Aber selbstverständlich wird es auch viel Gelegenheit geben, sich völlig formlos auszutauschen. Zum Beispiel jeweils Samstag- und Sonntagnachmittag bei Kaffee und Kuchen im Festivalzentrum in der Grossen Halle der Reitschule. In der frisch renovierten Halle bauen wir dieses Jahr ein XL-Festivalzentrum! Neben Bar, Restaurant, den Crashkursen und den Konversationen gibt es hier auch drei Produktionen, einen Film, ein Podium und vier Konzerte zu sehen. Und selbstverständlich schwingen wir zu später Stunde noch das Tanzbein. Irgendwann ist ja dann auch genug geredet.

Wir freuen uns auf zwölf Tage Festival mit Ihnen! Und wer weiss, vielleicht kommen wir ja sogar ins Gespräch…

Ihr aua-Team